Tag des öffentlichen Raums

Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raums

Liebe Freundinnen und Freunde von OpenSquare

Der öffentliche Raum sei «gerade nicht der organisierte, verwaltete, rationale, geplante Raum – sondern der spontane, nicht kalkulierbare, auch flüchtige Raum, der sich in ständiger Bewegung befindet und sich durch das Unvorhersehbare auszeichnet», so der katalanische Anthropologe Manuel Delgado: Oder wie der Architekt und Künstler Christoph Haerle es formulierte: «Ich bin der festen Überzeugung, dass öffentliche Räume nur dann gute Räume sind, wenn sie funktional unterbestimmt sind.» Dazu eine Beobachtung, die ich letzten Sommer in der Marmorgasse, einer kleinen Strasse im Zürich Kreis 4, machte:

Vier Mädchen im frühen Teenageralter sperrten die Strasse ab, um darauf Fussball zu spielen, «professionell» mit Leitkegeln, vermutlich von der nahen Baustelle. Für Fussgänger und Velofahrer war da noch genug Platz, und wenn mal ein Auto durchfahren wollte, wurde das Spiel kurz unterbrochen, die Kegel auf die Seite geräumt, das Auto durchgelassen, die Strasse wieder zugesperrt und weitergespielt. Es sah nach Routine aus, nach einer stillschweigenden Vereinbarung zwischen den BenutzerInnen der Strasse. Offensichtlich spielten die Mädchen dort regelmässig Fussball.

Nur zwei Häuserblocks entfernt, auf der Brauerstrasse wäre das bis noch vor kurzem auch möglich gewesen. Nun aber ist sie, mitten im innerstädtischen Blockrand-Quartier, zur «Velo-Vorzugsroute» umgerüstet und leergefegt worden. Was eben noch eine beruhigte, gemütliche Quartierstrasse war, mit ein paar parkierten Autos zwar, aber mit Tischen und Stühlen vor Läden, Cafes und Bars, ist nun zur Fahrbahn einer regionalen Schnellstrasse für Velofahrer geworden, markiert mit beidseitigen, fetten grünen Streifen. Schon bald wird es für Fussgänger in Stosszeiten schwierig sein, die Strasse zu überqueren, geschweige denn für Kinder oder alte und gebrechliche Personen. Glücklicherweise steht die 30-Stundenkilometer Begrenzung noch. Sie kommt aus einer Zeit, wo Quartierstrassen durch spezifische Massnahmen wie Hindernisse, Strassenschwellen und eben Tempo 30 vor dem Auto-Verkehr geschützt und so beruhigt werden mussten.

Wiederholt sich hier die Geschichte wieder? Was machen wir heute gegen die rasenden E-Bikes, welche das Quartier unsicher machen? Ich schlage vor, auf der Brauerstrasse anstelle der aufgehobenen Parkfelder Bäume zu pflanzen und alle motorisierten Fahrräder von der Velovorzugsroute auszuschliessen. Sie gehören wie Roller oder Motorfahrräder auf die grossen Verkehrsachsen. Das ist gut fürs Klima und gut fürs Quartierleben, und auch für alle VelofahrerInnen, die zum Langsamverkehr gehören wollen.

Schöne Sommertage,

Thomas Schregenberger
OpenSquare

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